Nach einiger Zeit nun mal wieder ein dark-americana Album, das wohl in der selben Traditionslinie steht, in der sich auch Uncle Sinner, Grant Campbell oder Christian Williams einreihen.
Kate Manns Things look different when the sun goes down bringt uns, ebenso wie die Obengenannten, die amerikanischen Roots in einem düsteren, nachdenklichen Gewand nach Europa und geht nach bester Americana-Manier auch bei der Instrumentierung keine Kompromisse ein.
Gitarre, Banjo, Geige und ab und an auch ein Schlagzeug, untermalen ihre kleinen düsteren Geschichten stimmungsvoll und geben dem Hörer genau das, was er von einem dark-americana Album erwartet.
Das klingt nun so gar nicht aufregend und innovativ?
Ist es auch nicht!
Aber mal ehrlich; welcher Americana-Freund möchte, gerade in Zeiten, in denen jeder Folk-Act experimentell und pseudo-intellektuell sein will, denn wirklich Innovation!
Konzeptalben sind eine schwierige Angelegenheit! Oft gut gemacht und für Fans des Künstlers eh ein Muss, können sie aber auch sehr langatmig sein und den Hörer mehr als nur fordern. Oft landen sie nach einmaligen Hören im Plattenregal unter dem Label “Gut zu wissen, dass ich sie ja jederzeit hören könnte, wenn ich nur wollte”. Mir persönlich ging es z.B. mit der chinesischen Tierkreis Vertonung Sufjans Stevens so, doch auch in gänzlich anderen Musikrichtungen wird sicher z.B mancher Björk Fan sich selbst nach dem Kauf von Medulla eingestanden haben, dass ein reines Accapella Album nicht zu den besten der Künstlerin gehört, auch wenn man es nicht missen möchte!
Zum Glück kann man all dies bei dem neuemBenNichols (Lucero) Album The Last PaleLight In TheWest getrost vergessen, denn auch wenn hier der Roman “BloodMeridian. OrtheEveningRedness in theWest” (Die Abendröte im Westen) von Cormac McCarthy, thematisch Pate stand, so ist dies doch ein schönes Alt-Country Album und wenn er sich der thematischen Anlehnung nicht bewusst ist wird es dem Hörer wohl kaum auffallen.
Bei Amazon fand ich zu dem Buch folgendes:”McCarthysstaendig wiederkehrendem Kernthema, dem schicksalshaften Ausgeliefertsein des Menschen, der Unausweichlichkeit und der toedlichen Konsequenz des menschlichen Handelns, sowie die kriegerische und grausame Natur des Menschen ganz allgemein, begegnen wir auch wieder hier und dabei in seiner Reinform: Der Suendenfall der Gewalt als Grundausstattung des Menschen, Krieg als Existenzberechtigung, Gewalt als immerwaehrende Konstante im menschlichen Dasein. Von der Entdeckung Amerikas, ueber die Eroberung, Unterwerfung und Besiedelung des Kontinentes, bis in das Amerika von heute zieht sich eine einzige gewaltige Blutspur. Die Gewalt von heute wurde zur Zeit der Eroberung und Staatsgruendunggesaet. Die US-Entwicklungsgeschichte ist seit den ersten Tagen bis heute blutdurchtraenkt. So scheint die gesamte Geschichte der spaeteren USA ebenfalls schon vorweggenommen, (man koennte ironischerweise sagen ebenfalls die Rolle der US-Kirche zum Thema Gewalt: “The priest hadbaptizedthewoundedAmericansandthenstoodbackwhiletheywereshotthroughthehead“).”
Diese gewalttätig raue Atmosphäre des Romans fängt BenNichols allerdings perfekt ein. Seine Stimme klingt nach Dreck und Whisky. Die Texte sind, wie bereits erwähnt, von dem Roman sehr stark beeinflusst und die Instrumentierung ist schön sparsam. Nun wäre es aber ein Fehler bei The Last PaleLight In TheWest eine übertriebene morbideDüsternis zu erwarten. Nichols bleibt musikalisch im Alt.-Country und nur seine Texte kann man dem Literaturgenre des SouthernGothic zuordnen.
Wunderschönen Southern Gothic präsentieren The Victor Mourning auf ihrem Fire Fire Demos. Stephen Lee Canner undLynne Adele zaubern mit den 4 Songs des Demos eine Stimmung die sie selbst wohl am besten auf ihrer Homepage als eine Mixtur aus ” Ancient American and British ballads, pre-WWII hillbilly music, abandoned shopping centers, vintage roadside hillbilly souvenirs, empty swimming pools, scythes, b&w films, snowglobes, flyover country, odd museums, the smell of old books, whiskey soap, gasoline & matchbooks, gutta percha, jewelry made of human hair, and the broken shores of Patagonia” beschreiben. Gibt es dem noch etwas hinzuzufügen? Wohl nur, dass sie mit diesen Einflüssen gar nicht anders klingen können, als anachronistisch, dark und sehr sehr southern gothic. Aber auch die Info findet man irgendwo auf ihrer Homepage. Wenn es einem nur alle Bands so einfach bei einer treffenden Beschreibung ihrer Musik machen würden, wie die beiden Mittfünfziger.
Man könnte sich nun im Anschluss noch stundenlang und mit den farbenfrohsten bzw. tristesten Bildern die Stimmungen ausmalen, die mit der Musik transportiert werden, aber dies würde nur noch einmal die passende Selbsteinschätzung der beiden mit leicht veränderten Worten sein! Wenn sie sich selbst dann auch noch mit den Labels/Tags “Dark Americana, country noir, gothic country, dark twang, the half barbaric yawp of ancestors who would shame you if you met them” versehen, ist nun aber wirklich alles gesagt was man über The Victor Mourning – Fire Fire sagen kann.
Herrlich leichtfüßigen düsteren Folk serviert uns da, der US-amerikanische Singer-Songwriter, Chriss Sutherland mit seinem Album Worried Love , das auf dem kleinen Indielabel Peapod Recordings, aus Portland [Maine], erschien.
Dass Chriss Sutherland zuvor in Bands wie Cerberus Shoal und Fire on Fire spielte soll hier nur kurz erwähnt werden, denn mit Songs wie What Are We Gonne Do Now? oder dem düsteren Jolie Holland bringt er uns den Soundtrack für die sich langsam ankündigenden Sommerabende, bzw. besser gesagt genau die Zeit am Abend, an dem der Grill bereits aus ist und man melancholisch an seinem Bier nippend dem Sonnenuntergang betrachtet.
Chriss Sutherland, mit obligatorischem "Folkerbart"
Aber auch die andere Seite von sommerlichen Abenden, nämlich das Feiern bis spät in die Nacht und die ausgelassene Freitagsabendstimmung, fängt er wie lange keiner vor ihm ein. Selbst seine hispanohablente-mäßigen Anwandlungen verzeit man ihm leicht, denn Songs wie El Tiempo bringen mehr als plattes Latino-Feeling rüber und lassen einen in diesen Momenten an die spanischsprechende Minderheit in den USA denken, die mit ihrer Musik und ihrer Kutur die US-amerikanische bereichern. Dass es Chriss Sutherland gelingt diese aufzugreifen und mit traditioneller Folk-Musik zu verbinden spricht ebenfalls für ihn und dieses Album, denn nie hat man den schalen Beigeschmack von abgedroschenem Ethnopop.
Kurz gesagt ist dieses Album der perfekte Soundtrack für die leichten melancholischen Sommerabende eines jeden Folk und Singer/Songwriter Freundes.
Manchmal erfährt man die interessantesten Dinge nicht direkt, sondern über mehrere Ecken hinweg. Genau so ging es mir auch, als ich vor kurzem über den Slowcoustic Blog von Smansmith gesurft bin. Der Eintrag, den ich dort über J. Tillman fand, verwieß jedoch noch weiter zum I Pick My Nose Blog.
Auf I Pick My Nose wurde nämlich eine bisher unbekannte/ungehörte Demo-Kassete J. Tillmans upgeloaded. Die ganze Geschichte kann HIER nachgelesen werden. Auf dieser Kassette finden sich acht unveröffentlichte Lieder und eine Version von Ties that Bind des Albums Long May You Run, J. Tillman.
Den Lobeshymnen der beiden oben genannten Blogs möchte ich mich dabei ohne Einschränkungen anschließen. Die Lieder der Kassette sind so erstaunlich mitreißend und gut, dass man sich wundern muss, warum noch kein Release vorliegt. J. Tillman klingt genau so, wie J. Tillman klingt. Seine zerbrechliche Stimme wird von Gitarre und Piano begleitet, woraus eine unglaubliche Mischung aus Intensität und Intimität kreiert wird.
Für alle, die Joshua und seine Fähigkeiten als Singer/Songwriter lieb gewonnen haben, steht hiermit ein verfrühtes Weihnachten ins Haus. Zusammen mit dem vor Kurzem erschienenen Vacilando Territory Blues bietet sich jetzt die Möglichkeit, Vergangenheit und Präsens zu vereinen und J. Tillman ein weiteres Mal neu zu entdecken.
An dieser Stelle noch einmal ein riesiges Dankeschön an den I Pick My Nose Blog für diese unglaublichen News!
Wenn man mich fragen würde, wer zur Zeit der Über-Folker ist, oder weniger enthusiastisch ausgedrückt, wer den besten und mitreisendsten Folk macht, dann könnte die Antwort nur J. Tillman lauten. Der eine oder andere kennt den mit bürgerlichen Namen Joshua heißenden Drummer der Fleet Foxes bestimmt schon. Und dass der nicht nur Pelze zermürben kann, sondern auch an der Gitarre und im Singer/Songwriter-Bereich Talent besitzt, beweißt u.a. sein neues Album, dass im Januar diesen Jahres die Beleuchtung der CD-Regale erblickte.
Der Hörer, welcher schon beim Vorgänger Cancer and Delirium mit Gefallen reingehört hat, kann auch dieses Release ohne Bedenken überkonsumieren – für alle anderen, hier noch ein paar Zeilen mehr.
J. Tillmans Musik ist geprägt von Langsamkeit und einer fast hypnotisierenden Stimme, die zu rauhen Gitarrenklängen eine meist nicht gerade fröhliche Geschichte ersingt. War es auf den Vorgänder-Alben I Will Return (2004), Long May You Run, J. Tillman (2005), Minor Works (2006) und dem genannten Cancer and Delirium (2007) noch eine etwas spartanischere Gangart bei der Instrumentalisierung, so schlägt Vacilando Territory Blues in eine breitere Kerbe: Piano- und Drum-Begleitung, harte E-Gitarrenriffs und Streicher unterstützen die Lieder an mancherlei Stelle, brechen aus, aus dem gewohnten ruhigen Singer/Songwriter Milieu und münden hier und da sogar in Rock- und Blues-Passagen (Steel On Steel, New Imperial Grand Blues).
Dies ist jedoch kein Grund, beunruhigt zu sein, der traditionellen Kost wurde nämlich auch Rechnung getragen und es befinden sich neben den aufgewühlteren Liedern auch schlichtere, “traditionellere” Folk-Songs auf dem Release.
Sam Beam (Iron and Wine)
Wie die Entwicklung weitergehen wird, lässt sich noch nicht sagen. Was aber beobachtbar ist, ist das, was ich oft als Iron and Wine-Phänomen bezeichne. Denn Auch Sam Beam legte am Anfang reine, von Akustikgitarre und Gesang getragenen Folk-Alben vor (The Creek Drank The Cradle (2002) und Our Endless Numbered Days (2004)) bis auf The Shepherd’s Dog (2007) dann die Wende zur Multi-Instrumentalisierung Manifest wurde.
Zwar ist die Schlagrichtung bei J. Tillman nicht mit der von Iron and Wine vergleichbar, doch sind Tendenzen zu erkennen, dass in Zukunft nicht mehr mit solch konsequenten Folk-Alben wie Cancer and Delirium zu rechnen ist. Wie aber oben schon erwähnt, braucht kein Fan ängstlich in die Zukunft zu blicken, denn wenn J. Tillman den Standard so hoch halten kann, wie auf Vacilando Territory Blues, dann wird sich auch in kommenden Zeiten nichts daran ändern, dass Joshua Tillman neben solch Namen wie Mark Kozelek, Will Oldham und Jason Molina völlig zu Recht auftaucht.
Gitarren Duette! Nathan Bell, Exmitglied der post-hardcorigen Indie-Rocker Lungfish und David Heumann, Kopf der indiefolkigen Arbouretum, haben sich, unter dem Namen Human Bell, zusammen getan um eines der besten, fast nur auf Gitarren basierten, Post-Rock Alben der letzten Jahre zu zaubern.
Dieses Album hat alles was man, aus Post-Rock Sicht, von einem guten Album erwartet. Schöne Songstrukturen, die sich perfekt in die klaren, kalten und schön lang gestreckten Tracks, die sich steigern und immer wieder fallen um sich wunderhübschen Melodien hinzugeben bis sie dann in einigem Krach aufgelöst werden, nur um sich dann wieder zurücknehmen und nur geringfügig verändert von Neuem beginnen, einfügen. Alles ohne ein einziges Wort.
Die einzelnen Stücke tragen Stimmungen wie alte Klamotten, die wiederum in schwarz-weiß unheimlich gut aussehen.
Die Songs heißen A Change In Fortune und Hanging From The Rafters und erinnern neben den Post-Rock Einflüssen mit ihrer warmen, atmosphärischen Gitarrenmusik mit einem Faible für Noise und schräge Trompetentöne, immer wieder an eine Mischung zwischen Alternative Folk/Country und Bluegrass-Drone.