Archiv der Kategorie: Indie-Rock

Aufgeschaut: Yo La Tengo Special Show

Tracklist:

01. With A Girl Like You (acoustic) (Original von: The Troggs)
(Fuckbook 2009)

02. Our Way To Fall (acoustic)
(…And Then Nothing Turned Itself Inside-Out 2000)

03. Sugarcube (acoustic)
(I Can Hear The Heart Beating As One 1997)

04. Periodically Double Or Triple (acoustic)
(Popular Songs 2009)

05. Nothing To Hide (acoustic)
(Popular Songs 2009)

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Jahaa! Von Yo La Tengo gibt es jetzt die Aufnahmen ihrer „Special Show“, die sie vor kurzem gespielt haben. Einfach klasse, unbeding reinhören.

Und das Review für Popular Songs kommt auch bald, versprochen 😉

~orangeonions

Hier die links zu den Videos:

Part 1, Part 2

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Condo Fucks – Fuckbook (Matador 2009), oder…

…auf den Spuren eines alten Witzes.

Tracklist:

01. What’cha Gonna Do About It

02. Accident

03. This Is Where I Belong

04. Shut Down

05. Shut Down Part 2

06. With A Girl Like You

07. The Kid With The Repleaceable Head

08. Dog Meat

09. So Easy Baby

10. Come On Up

11. Gudbuy T’jane

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Guter Wein, so sagt man, wird mit der Zeit besser. Bei alten Witzen klappt das meist jedoch nicht ganz so gut. Matador Records ließ sich davon aber nicht einschüchtern und kramte tief, um einen alten Gag erneut aufleben zu lassen – und zwar unter dem Namen Condo Fucks.

Doch hier erst einmal die ganze Geschichte, wie es überhaupt zu einem solchen Unterfangen kommen konnte und was die Hintergedanken sein könnten. 1997 erscheint auf Matador I Can Hear The Heart Beating As One

Yo La Tengo - I Can Hear The Heart Beating As One

Yo La Tengo - I Can Hear The Heart Beating As One

der mittlerweile zur Kult-Band avancierten Indie-Rocker Yo La Tengo. Im Booklet der CD befindet sich ein kleiner auffaltbarer Katalog mit Werbung für andere Label-Releases.

Was nicht sofort auffällt: Keine der dort abgebildeten Bands existiert tatsächlich. Vielmehr sollte die Einlage eine Parodie auf Vertriebsstategien anderer Musikfirmen sein, welche das eine oder andere Mal Fake-Anzeigen geschalten haben sollen, um ihren Katalog gefüllter erscheinen zu lassen. Und genau aus diesem Grund finden sich in jenem Katalog von Matador dann Veröffentlichungen wie G.I. Joe Extreme – Declares War, Red (The Man) Crawford – Still Loves You oder Künstler – s/t, welcher angeblich „Kinder-Scene“ aus dem Technomusik Kunstlerviertel auf Jungletypische „parkbanken“ spielt (Rechtschreibfehler auch im Original).

Neben diesen und anderen Bands befindet sich auch eine Truppe mit dem Namen Condo Fucks auf dem ominösen Stückchen Papier.

Auszug aus dem Matador-Katalog

Auszug aus dem Matador-Katalog

Ganz witzig, könnte man denken, was man sich da ausgedacht hatte: Fake-Katalog mit Fake-Bands und Fake-Releases. Harr harr, dies hat sicher den ein oder anderen dazumal irritiert oder zum Schmunzeln gebracht. Wie auch immer – es wurde sehr schnell wieder sehr ruhig um die Witz-Einlage im Yo La Album und man glaubte schon, der Witz wäre, wie Millionen anderer seiner Artgenossen, einfach vergessen worden.

An dieser Stelle springen wir ein wenig in der Zeit und begeben uns in das Jahr 2008. Früh gibt Matador Records bekannt, dass eine berühmte, bei Matador unter Vertrag stehende Band, ein Comeback feiern wird unter dem Namen – Überraschung – Condo Fucks. Alle Blogs und News-Sites laufen nun heiß und es wird wild spekuliert, wer denn diese Band sein könnte. Eine sichere Klärung konnte jedoch bis zum 28.03.2008 nicht erreicht werden. Aber der 28.03 sollte endlich ein wenig Licht auf die Sache werfen – ein erster Auftritt der Band stand bevor!

Es stellte sich heraus, dass es sich bei Condo Fucks um die Mitglieder von Yo La Tengo handelte, die knapp 30 Minuten ein Garage-Rock Set herunterprügelten und dabei nur Cover spielten. Am 09. April 2008 taucht dann in einem Blog-Kommentar von einem anonymen Verfasser eine Tracklist auf, welche angeblich die Lieder des Auftrittes auflistet. Wie sich herausstellen wird, handelte es sich dabei gleichzeitig um die endgültige Tracklist von Fuckbook.

Yo La Tengo - Fakebook

Yo La Tengo - Fakebook

Zwar scheint nun die Identität von Condo Fucks relativ sicher geklärt zu sein, aber trotzdem schafft man es, dass ein gewisser Hauch der Unsicherheit bestehen bleibt. Zwar spricht der Fakt, dass Yo La Tengo 1990 ein Album unter dem Namen Fakebook veröffentlicht hatten, welches auch sehr viele Covers enthielt, stark dafür, dass YLT auch tatsächlich Condo Fucks sind, aber endgültige Gewissheit gab es nicht.

Nächster Schritt: Im Herbst 2008 erscheint der kostenlos zum Download angebotener Matador Sampler Matador Intended Play – Fall ’08 auf dem sich nun endlich auch ein anhörbares Stück der Condo Fucks befindet (Wat’cha Gonna Do About It). Es besteht kein Zweifel, der Sound lässt keine andere Schlussfolgerung zu: Bei dem Lied handelt es sich eindeutig um Yo La Tengo!

Jetzt hieß es also nur noch: warten, warten, warten bis zur Veröffentlichung (auch wenn schon recht früh ein Leak im Internet zum Download kursierte). Der reguläre Veröffentlichungstermin war auf den 24.03.09 in Amerika festgesetzt. Zwei Wochen vor diesem, am 10.03.09, erscheint noch einmal ein kleines Gimmick: Ein Video, dass in einem quasi

Matador Intendent Play - Fall 08

Matador Intended Play - Fall 08

dokumentarischen Film eine kleine (Lügen)Geschichte über den Einfluss von Condo Fucks auf andere Bands in Connecticut erzählt. Dort auch noch einmal mit dem expliziten Bild-Hinweis, dass Kid Condo (eigentlich Ira Kaplan) der Gitarrist und Sänger ist.

Damit sind also alle Fäden zusammengeführt und das Ergebnis ist seit kurzer Zeit im Handel verfügbar.

Geboten wird auf der Scheibe dabei genau das, was sowohl der Track auf dem Matador Sampler, als auch alle anderen Vermutungen bereits nahe gelegt haben: Schnörkelloser Rock’n’Roll.

Yo La Tengo / Condo Fucks

Yo La Tengo / Condo Fucks

Kid Condo, Georgia Condo und James McNew rocken sich durch ein Set von Covern so bekannter Bands wie den Beach Boys oder den Kinks, welches in etwa in genau der gleichen Zeit aufgenommen wurde, wie die Abspieldauer beträgt. 95 Prozent des Materials wurde nämlich in einer 35minütigen Session eingespielt. Und dies hört man den Aufnahmen auch an: Lo-Fi Sound wohin das Ohr hören kann, die Abmischung ist rau und kantig, wenngleich alle Instrumente immer präsent sind. Das Ganze versprüht den rauen Charme einer Hinterhofgarage, in der ohne Hemmungen einfach abgerockt wird.

Für Yo La Tengo Fans ist die Scheibe sowieso ein Pflichtkauf, einerseits um das Potential und die humoreske Experimentierfreudigkeit der Band mitzunehmen, andererseits um die Wartezeit für das wahrscheinlich in diesem Herbst erscheinende neue reguläre Album zu verkürzen. Allen anderen sei unbedingt geraten, ausgiebig vorzuhören, denn Fuckbook kann auch ganz schnell im Regal verstauben, weiß man es nicht in den richtigen Kontext einzuordnen: den eines extrem weitreichenden und aufwendigen alten Witzes.

~orangeonions

Das oben genannte Video über den Einfluss Condo Fucks auf andere Bands in Connecticut:

Links:

Last FM Seite

Wiki Seite (Yo La Tengo)